"Meine Mama ist in einem Lager"

Format: 13 x 19 cm, Softcover; 132 Seiten, Gewicht = 170 g (ohne Verpackung)
ISBN 978-3-900044-42-8; POSS Verlag, Wien.

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Urban Umschlag


Einige Textauszüge:

(...) Die kleinen Bauern in den Dörfern leben besser, wenn sie es nicht zu weit in die Stadt haben. Doch es gibt Bestrebungen, die Dörfer in die deutsche Stadt einzugliedern. Aber noch können sich die Gemeinden mit Hilfe der Pfarrer erhalten, obwohl Arbeitsplätze für die vielen Jungen nur in der Stadt zu finden sind. Meistens sind es nur gering bezahlte, körperlich schwer zu bewältigende Dienstbotenstellen. Ein wenig Wohl­stand wird trotzdem erworben, die Stadtsprache muss erlernt werden. Wenn es die Zeit erlaubt, bleiben die Beziehungen zum Heimatdorf und zum Elternhaus erhalten – als einziger Ort einer Zuge­hörigkeit. (...)

(...) Das „Deutsche Gauturnfest“ fand am 15. Heuet 1906 in Pettau statt. Heuet (Heuret) ist ein altgermanischer Begriff für den Monat Juli, Zeit der Heuernte. Das Wort wurde selten verwendet, aber als deutsch­nationaler Kampfausdruck in Anspruch genommen. Das Fest in diesem zweisprachigen Gebiet sollte die Stärke der deutschen Bürger betonen. Slawen und Juden wurden im deutschen Turnverein nicht gerne gesehen, Slowenen lebten am Land, Juden waren eine kleine, zum Bürgertum aufgestiegene, Minderheit.
Auch die noch nicht zum eingesessenen Bürgertum gehörenden Deutschen – Franz aus Mähren war ein solcher – wurden vorerst zurückhaltend betrachtet. Franz zeigte kein starkes völkisches Engagement. Dem wirtschaftlichen Aufstieg, auch mit sozialer Härte, gehörten seine ganzen, für die wachsende Familie nicht immer angenehmen Kräfte.
So nahm er auch nicht unmittelbar am Aufmarsch des die ganze Stadt beherrschenden Ereignisses teil. Aber er schaute am Rand zu, so wie einige slowenische und jüdische Bürger, schon aus gesellschaftlichen Gründen.
(...)

(...) Josef kommt an die Ostfront.
Die Kriegsanleihen und die ersten Sammlungen ziehen durch Stadt und Land, um warme Kleider, Geldspenden und haltbare Lebensmittel wird gebeten. Gegen Ende des Krieges kommt es sogar in der Untersteiermark zu Notständen. Kinder lernen betteln.
Im zweiten Kriegsjahr ist es die gute Nachricht, dass die Serben besiegt wurden. Aber die mit ihnen verbündeten Russen errichten im österreichischen Galizien eine lange Front. Flüchtlinge, auch Juden aus den Schtetls, ziehen nach Westen, vor allem in die böhmischen Länder und in die Haupt- und Residenzstadt. In die Steiermark kommen nur weni­ge, Pettau bleibt bei seinen 18 jüdischen Familien.
Dann kommt die Tragödie von Przemysl. Die Fes­tung wird ein halbes Jahr von russischen Truppen eingekesselt. Diese brutale Kriegsform findet sich im Osten immer wieder, die Hauptwaffe ist die Verhin­derung des Nachschubes von Nahrungs­mitteln und Medikamenten. Josef kommt, solange Essensreste und Mehl noch da sind, als Bäcker zum Einsatz. Auch die abgemagerten Pferde werden geschlachtet. Munitionsreserven gibt es länger. Die Lebensmittel gehen aus.
(...)